Sie ist die Königin der Wüste. Ihre Heilkräfte hielten Kleopatra jung und ihr Saft schloss unzählige Wunden der Geschichte. In den trockensten Gegenden dieser Welt gedeiht sie. Untödlich und heilsam – die Aloe Vera.
Aloe Vera oder Aloe barbadensis ist eine der ganz Grossen. Kaum eine andere Sukkulente (das sind wasserspeichernde Pflanzen) hat es zu solch einer Berühmtheit gebracht wie sie. Doch leider ist sie bei uns nicht winterhart. Jedenfalls draussen nicht. Ihr Topf muss vor Frost geschützt nach drinnen gebracht werden. Wer sehr viele Aloe-Blätter braucht, der braucht viele Pflanzen. Dazu kommt: Aloe-Produkte haben einen stolzen Preis, der sich durch die intensiven Verarbeitungsschritte erklären lässt. Vereinzelt kann man Aloe-Blätter im Biomarkt kaufen, doch die sind ebenfalls nichts fürs kleine Budget. Was aber, wenn man zu wenig Platz für so viele Pflanzen und/oder keinen Zugang zu Frischblättern hat? Die Natur liebt uns alle und so hat sie in ihrer Güte auch den Menschen in den nördlicheren Zonen eine Pflanze geschenkt, die der Aloe in nichts nachsteht (wenn auch weniger erforscht), zudem roh essbar ist und absolut trockenheits- und kältetolerant ist. Sie braucht kaum Erde und gedeiht auch bei den faulsten Gärtnern. Ich schwindle nicht, wenn ich dir sage: Es gibt sie, die Aloe Vera des Nordens.
Die Aloe des Nordens oder auch Aloe der Alpen
Die Aloe Vera des Nordens ist nicht nur eine Pflanze, so viel kann ich dir bereits verraten. Sie sind viele. Alles Sukkulenten und immerlebend. Alle Botanikfans schreien vor Begeisterung auf: „Immerlebend? Das ist Sempervivum!“ Semper heisst immer und vivum heisst leben.
Sempervivum ist die Gattung der Hauswurze. Schon bei der Endung -wurz weiss die kundige Kräuterfrau: „Das ist eine heilende Pflanze!“. Eine heilende Pflanze, die sogar auf dem Dach der Häuser wächst. Nicht nur das, auch an den Wänden alter Trockensteinmauergebäude findet man sie. Zusammen mit Mauerpfeffer und Fetthenne (Sedum-Arten). Zur Gattung Sempervivum gehören ca. 60 botanisch anerkannte Arten und über 7000 Sorten! Einige Arten können sogar ganz ohne Erde überleben. Ihre fleischigen Ausläufer schieben sich über Steine und Ziegel hinweg. Wenn sie in einer kleinsten Ritze etwas Erde finden, werden dort hinein Wurzeln gebildet. Ansonsten wächst die Pflanze in einem grossen, zusammenhängenden Gebilde. Hauswurze können tatsächlich auf Mauern und sogar Ziegeldächer gepflanzt werden. Man sollte aber schauen, dass sie nicht vom nächsten Regen einfach heruntergewaschen werden
Hauswurze wachsen rosettenartig nach oben und aussen. Unter ihren Rosetten finden sich oft abgestorbene Blätter, die noch den Vorteil haben, dass sie Regenwasser länger zurückhalten. Die meiste Flüssigkeit speichert sie, wie viele Sukkulenten, als Gel in den fleischigen Blättern. Genau hier wird’s interessant.

Hauswurze verwenden
Mal abgesehen von ihrem Einsatz als Zauberpflanze zum Schutz des Hauses, ist sie der perfekte Aloe Vera- Ersatz. Ersatz ist das falsche Wort; eher ein weiteres Geschenk der Mutter Natur an uns. Das Gel kann frisch auf Wunden, Ekzeme, rissige Haut, Insektenstiche und nach meiner Erfahrung auch auf Sonnenbrände geschmiert werden. Dazu bricht man ein Blättchen ab und drückt das gallertartige Innere auf die entsprechende Stelle. Die harte Aussenhaut kann auch zuerst abgeschält werden. Bei grossblättrigen Arten, wie der Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) geht das sehr gut. Von dieser Art gibt es ganz viele Sorten. Achtung: Sorte und Art sind nicht das Gleiche! Auf Wanderungen hat sie mir schon oft geholfen. Eine kleine Aloe Vera des Nordens halt.
Als Zierpflanzen sind sie wunderschön und können in kleinen Steingartenschalen als pflegeleichte Tischdekoration Verwendung finden. Eine Mischung mehrerer Arten, bspw. mit der Spinnweb-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum) ist ein richtiger Hingucker.

Zur Essbarkeit
Ich kenne keine giftigen Hauswurzarten. Klar, die gespritzten vom Züchter würde ich erst ein wenig in Quarantäne halten, nur um sicherzugehen. Hauswurze brauchen aber kaum Pflanzenschutz, wenn sie nicht zu feucht gehalten werden. Als Kind las ich in meinem ersten Kräuterbuch: In den Niederlanden wird Hauswurz in den Salat gemischt. Das musste ich sofort ausprobieren und zack fehlte ein Blatt von der lebendigen Gartentischdekoration meiner Mutter. Die schmeckte richtig gut! Frisch, knackig und ganz leicht säuerlich. Ich esse sie heute noch. Auch die richtige Aloe Vera kann man essen, man muss ihr Gel aber vorher auswaschen, weil ihre Blätter (vor allem im äusseren Teil) Aloin enthalten. Ich hatte auch schon einen schnellen Toilettengang davon, weil ich nicht aufgepasst habe. Einfach mal selber schlaumachen. Bei Hauswurz musst du das nicht tun. In dieser Hinsicht topt die einheimische Sukkulente unsere Wüstenkönigin. Die hauswurzähnliche Escheveria, sollte dagegen nicht gegessen werden. Sie gilt als leicht giftig. Merke dir: Knabberst du an der Escheveria, bist du sicher nicht lang da!
Zwar nicht tot, aber vielleicht auf der Toilette. Falls du anderer Meinung bist oder sogar eine Zubereitungsart für Escheverien kennst, dann hinterlasse mir doch einfach einen Kommentar unten. Ich bin immer froh darüber, Neues zu lernen.
Anbau
Wie alle Sukkulenten kannst du Serpervivum in sehr sandiges Substrat oder gleich in Kakteenerde pflanzen. Bei sehr langer Trockenheit ist die Pflanze um den ein oder anderen Tropfen Wasser froh, obwohl sie es auch ohne überleben würde. Wenn du alles richtig machst (was bei Hauswurz nicht schwer ist), werden die Pflanzen sogar blühen. Wichtig ist nur: Keine Staunässe und genügend Licht. Zu viel Wasser und sie verfaulen. Zu wenig Licht und sie vergeilen. Dünger bitte nur sehr sparsam (wenn überhaupt) verwenden. Ganz wenig Kompost in die Oberfläche des Topfs eingearbeitet, gibt der Pflanze schon alles, was sie braucht. Wenn du Hauswurz auf dem Dach oder auf Steinen (bspw. In einer Trockensteinmauer) kultivierst, dann reichen die Nährstoffe, die vom Regenwasser an die Sukkulente angeschwemmt werden.
Hauswurz oder Aloe, wer gewinnt
Beide Pflanzen sind meiner Meinung nach nicht zu vergleichen. Beide sind Geschenke unserer Mutter Erde. Sie sind beide anspruchslos, enorm heilsam und werden schon seit Tausenden von Jahren verwendet. Die Hauswurze sind aber heimisch und winterhart. Deshalb werde ich von ihnen mehr anbauen können, als ich für Aloe Vera-Pflanzen einen Überwinterungsplatz im Keller habe. Ich mag Gemüse und Nutzpflanzen, die extensiv und ohne viel Tam-Tam wachsen. Trotzdem wird immer eine Aloe-Pflanze (oder 2, oder 3?) bei mir einen Platz finden. Ich kann die vielen Ableger einfach nicht wegwerfen. Wem geht es auch so?
Ich werde also beide anbauen. Eins ist sicher. Diese Wand mit Steinen vor unserem Haus, bietet noch vielen Hauswürzchen ein Domizil. Eine vertikale, lebendige Apotheke. Das ist doch der Wahnsinn, nicht wahr? Danach sind die Ziegel auf dem Dach dran. 😊
Ich wünsche auch dir viel Spass beim Experimentieren, freue mich, wenn ich dir eine Inspiration geben konnte und hoffe, dass du wiedereinmal hier auf dem Blog und meiner Seite vorbeischaust. Ich blogge seit 7+ Jahren über Natur, Psychologie, Heilsames und Bewusstsein. Die Themen sind alle miteinander verbunden.
Wenn dir meine Arbeit gefällt, dann würde es mich freuen, wenn du diesen Blog mit deinen Freunden teilst. Das hilft mir, an noch mehr Menschen zu kommen und ihnen zu zeigen, wie toll die Natur in und ausserhalb von ihnen ist.
Bis zum nächsten Mal
Dein Joscha
Hier eine Webseite, die sich nur um Hauswurze dreht
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