Manchmal geschehen Dinge, die man nicht für möglich hielt. Jedenfalls nicht, bis sie dann plötzlich geschehen; aber trotzdem sind sie Teil dieser Realität.
An der Frage, was denn nun Realität ist und was nicht, scheiden sich bekanntermassen die Geister. Es gibt eine Realität und eine Wahrheit, jedoch unendlich viele Blickwinkel darauf. In meinem Leben bin ich zum Schluss gekommen: Es ist gut, wenn ich mich vor Meinungen von der Realität schütze. Einige Menschen, Organisationen, ja sogar ganze Nationen sprechen mit einer solchen Überzeugung von ihrer Sicht, dass es so wirken kann, als hätten sie die einzige Wahrheit tatsächlich entdeckt. Nur weil viele Menschen etwas hinterherlaufen, bedeutet das nicht, dass es wahr ist. Alles, was ich dir hier anbieten kann, ist auch nur meine Perspektive. Ein Blickwinkel von jemandem, der so neutral wie möglich auf die Dinge schaut, die ihn umgeben; Joschas Perspektive.
Dass ich ein Medium bin, wusste ich zuerst nicht. Ich dachte immer ein Medium channelt nur. Channeling ist das Durchgeben von Informationen aus der geistigen Welt. Einige channeln Verstorbene, ausserirdische Völker oder sonstige Wesen. Wie zuverlässig die Quelle ist und wie viel davon von sich selbst dabei ist, variiert erheblich. Für mich war es immer natürlich, meine verstorbenen Verwandten im Traum wiederzusehen oder ihre Anwesenheit neben mir zu spüren. Ich wusste auch immer Dinge über andere, die ich gar nicht wissen konnte, wäre alles so linear und einfach, wie man es in der Schule lernt. Da war nie das Bedürfnis in mir, Jenseitige für andere Menschen zu kontaktieren. Dass ein Medium viel mehr kann als das, wusste ich erst viel später. Viele Menschen sagten mir bereits, dass ich ein Medium bin. Sie lasen in meiner Energie, scannten meine Aura und taten andere Dinge. Sie wollten mir nichts verkaufen oder mich in eine Sekte ziehen, deshalb liess ich ihre Aussage einfach mal so stehen.
Es löste nichts in mir aus, als man mich Medium nannte. Ich konnte nichts damit anfangen. So als würde dir jemand sagen: „Du hast weisse Haut! Na und? “ Erst in spirituellen Kreisen wurde mir klar, wie viele Menschen eigentlich ein Medium sein wollten. Sobald du ein Medium bist, umgibt dich eine anziehende Mystik, ein Spannungsfeld des Unbekannten. Mein Leben war aber schon genug spannend. Ich hatte die Natur, meine Pflanzen und genügend spirituelle Erfahrungen, die ich noch gar nicht alle einordnen konnte. Wenn man so durch die Dimensionen springt und mal hier und mal dort ist, dann kann das schon einige Verwirrung mit sich bringen.
Ich bin nie durch eine institutionelle, mediale Ausbildung gegangen, wie sie z.B. das Arthur Findlay College in England anbietet. Der Spiritismus ist dort viel verbreiteter und gesellschaftlich anerkannter als in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Doch trotzdem wurde ich ausgebildet. Ich hatte immer sehr fähige Mentoren. Die begabteste war und ist sicherlich immer noch meine Partnerin Désirée. Nur weil man begabt ist, heisst das nicht, dass man diese Begabung auch zum Beruf machen will. So arbeite ich vor allem von uns beiden damit. Durch sie lernte ich die systemische Aufstellung kennen und als Werkzeug sehr zu schätzen. Sie ergänzt meine Arbeit enorm. Ich war immer wieder erstaunt, wie viele Menschen „Aufstellungen“ anbieten. Einige davon sind Psychologinnen, Psychiater, andere sind Coaches oder einfach Hausfrauen. Ich möchte hier noch einmal anmerken: Nur weil jemand einen akademischen Titel hat, heisst das nicht, dass er ein guter Aufsteller ist. Das Gleiche gilt, dass nicht jemand ein gutes Medium ist, nur weil sie ständig von Herz öffnen und Liebe spricht. Da gibt es riesige Unterschiede bis hin zu gefährlichen Falschinformationen und Traumatisierung; einige davon kannst du über die Krankenkasse abrechnen und die anderen nicht, wenn du verstehst, was ich meine. Medium zu sein bedeutet für mich eine grosse Verantwortung und die Herausforderung, dir das nicht in den Kopf steigen zu lassen. Gut geerdet mache ich die beste Arbeit.
Der verstorbene Bruder
Wie bereits gesagt bin ich kein klassisches Jenseitsmedium. Ich mache keine Séancen oder channele für gewöhnlich keine Verstorbenen. Zu jeder Regel gibt es eine Ausnahme. Vor einigen Jahren stellte ich mit Corinna (den Namen habe ich geändert) auf. Corinna war schon einmal bei mir und kam wegen eines Problems bei der Arbeit wieder. Corinna ist in der Justiz tätig und hatte dort eine wichtige Aufgabe. Auch Menschen aus dem Rechtssystem arbeiten mit Aufstellungen und Readings; das nur so am Rande erwähnt. Es stellte sich heraus, dass das Problem auf der Arbeit mit einem Thema von ihr zu tun hat. Etwas, das sie noch nicht in sich gelöst hatte. Wir lösten die Verstrickung gemeinsam und plötzlich geschah etwas, was nicht sehr oft bis dahin geschah. Ich spürte jemanden neben mir. Die Präsenz war unglaublich stark, als würde tatsächlich jemand Physisches neben mir sein. So richtig materiell anwesend waren aber nur Corinna und ich. Ich pausierte. Dann richtete ich einen Platzhalter (wie Aufstellungen funktionieren, kannst du hier nachlesen) für diese Präsenz ein, da sie mir klar zu erkennen gab: „Ich habe da auch etwas zu sagen!“. Im Platzhalter drin konnte ich dann sehr gut mit ihm sprechen: Ja, es war ein ER. Er zeigte mir sofort, dass er mit Corinna verwandt war. Er war ihr Bruder. Ich wusste nichts von einem Bruder und so fragte ich meine Klientin nach ihm. Tatsächlich hatte sie einen Bruder, der nach kurzer Zeit auf dieser Erde wieder in die andere Welt ging.
Wie viel Liebe in diesem Moment im Raum lag, kann ich dir nicht beschreiben. Es flossen Tränen und auch ich konnte mich nicht mehr zurückhalten. Wie schön ist es zu erfahren, dass man nicht alleine ist. Stefan (auch seinen Namen habe ich geändert) begleitete Corinna schon ihr ganzes Leben lang. Geduldig und präsent unterstützte er sie, wenn es ihr nicht gut ging. Er hörte ihr zu, wenn sie niemand verstehen wollte. Sie bestätigte mir, dass sie ihn immer bei sich wusste.
Plötzlich fing er an, durch mich zu sprechen. Verstorbene zu channeln, war nicht wirklich das, in dem ich viel Übung hatte. Alle Positivität wich plötzlich einer Anspannung: „Was, wenn ich das Falsche durchgebe?“ Unterbrochen und langsam gab ich durch, was ich aufnahm. An den Wortlauten, einem eigenen Dialekt oder einer individuellen Sprachfärbung können Klienten meistens ihre Angehörigen erkennen. Zum Glück rede ich viel, was mir in dem Moment enorm half. Corinna erkannte jedenfalls ihren Bruder wieder an der Art, wie es sich anfühlte als er durch mich sprach, sagte sie mir.
Es ist nicht selten, dass ein Geschwisterteil stirbt und noch geistig für die Lebenden da ist. Sie können heilen, führen, Informationen durchgeben oder einfach da sein und liebevoll unterstützen. Ist es nicht eine fantastische Welt, in der wir leben? Mein Grossvater war noch Jahre nach seinem Tod für mich da. Ein paar Mal traf ich ihn im Traum. Immer sah er fantastisch und gesund aus. Mit strahlend blauen Augen. Er hatte als Lebender keine blauen Augen. Doch die Verstorbenen sehe ich aus irgendeinem Grund immer mit blauer Iris. Hat da jemand eine Erklärung dafür, geht es dir auch so? Dann hinterlasse mir bitte einen Kommentar unten.
Dass auch andere ihre Angehörigen in bester Gesundheit wiedersehen, scheint normal zu sein und ist eine oft gemachte Beobachtung. Jedes Wiedersehen war natürlich grossartig und voller Liebe. Oft können die Leute ihre Gefühle erst so richtig ausdrücken, wenn sie aus ihren Körpern heraus sind. Zu sehr waren sie auf der Erde blockiert.
Natürlich ist es wünschenswert, wenn man im Reinen sterben kann. Die Realität sieht aber anders aus. Missverständnisse und Streitigkeiten können oft nicht gelöst werden, während die eine Partei noch inkarniert ist. Dafür gibt es dann eben die Medien, die dabei helfen. Zu mir kommen Menschen, die eine Frage, eine Unklarheit oder eine Entscheidung vor sich haben, in der sie mehr Übersicht brauchen. Meistens geht es nicht um Verstorbene, sondern um ganz irdische Probleme. Da kommt eine Eigenschaft zu Hilfe, die mir im Alltagsleben nur zu oft im Weg steht: Der Autismus. Das Aut- oder Auto in Autismus kommt von «eigen». Autistinnen und Autisten sind oft in ihrer eigenen Welt. So ist es auch bei mir. Ein Teil ist da und der andere dort. Ich nehme mich permanent in vielen Teilen wahr. Ich bin nicht schizophren, aber wir verstehen uns als Kollektiv:-)
Nicht jeder Autist lebt nicht automatisch eine mediale Begabung. So einfach ist es nicht. Bei mir scheint es aber so zu sein. Aus den Blickwinkeln der anderen Teile kann ich Dinge sehen, die andere nicht sehen. Autistinnen und Autisten wird eine starke Begabung zur Muster – und Detailerkennenung zugeschrieben. Wir nehmen auf, was andere schon lange herausgefiltert haben. Hochsensitive nehmen es wwahr,aber hochsensitive Autisten können es auch intellektuell erfassen. Was diese Wahrnehmung für ein Chaos im Alltagsleben ergibt, kannst du dir gerne vorstellen. In den Sitzungen bin ich aber super stark mit der Kombination.
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Bildquelle: Foto von Jess Zoerb auf Unsplash
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